Dossier · Generation Z & Erwartungen
MATCHERYAusbildung neu denken.Dossier · 02

Was Auszubildende heute wirklich wollen.

matchery.deKatja Balzer · Dresden

Heutige Auszubildende, insbesondere die Angehörigen der Generation Z, stellen klare und teils neue Anforderungen an ihre Ausbildungs­betriebe, die über eine rein fachliche Vermittlung von Inhalten hinausgehen.

Dabei zeigt sich eine Verschiebung hin zu materieller Sicherheit, Wertschätzung und modernen Strukturen. Was folgt, sind die zentralen Erwartungen in sechs Feldern — basierend auf Studien der Wirtschaftsjunioren, der Hochschule Koblenz und der Personalwirtschaft.

Erwartung trifft Realität

Was junge Menschen erwarten, zeigen die Studien. Ob Ausbildungs­anzeigen diese Erwartungen auch beantworten, zeigt erst der Blick in die Praxis — den ich für über 500 Anzeigen gemacht habe.

500+ Ausbildungs­anzeigen im Detail analysiert
Aus der Praxis · Der MATCHERY Realitäts-Check

Hinter diesen Zahlen steht kein Rätselraten.

Ich habe 500+ Ausbildungs-Stellen­anzeigen ausgewertet. Im Mittelpunkt stand eine Frage: Wie gut beantworten Stellen­anzeigen die Fragen, die junge Menschen vor einer Berufs- und Ausbildungs­entscheidung tatsächlich haben?

Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede — und ein Muster: Ein Großteil der Unternehmen sendet an der Lebens­realität der Zielgruppe vorbei. Mein Ziel ist es, diese Lücke für Sie daten­gestützt zu schließen, bevor Sie Bewerber verlieren, von denen Sie nie erfahren.

Zur Case Study · 500+ Anzeigen

Geld steht oben. Auch bei einer „sinnsuchenden" Generation.

78 % sagen: Verdienst­möglichkeit zuerst.

Entgegen mancher Klischees über eine rein sinnsuchende Generation ist für 78 % der jungen Menschen eine gute Verdienst­möglichkeit der wichtigste Aspekt bei der Berufswahl. Finanzielle und materielle Anreize stehen auch im Rahmen des konkreten Ausbildungs­angebots an erster Stelle.

78 %
Wichtigster Aspekt bei Berufswahl der jungen Menschen nennen eine gute Verdienst­möglichkeit als Top-Priorität. Vor Sinn, vor Selbstverwirklichung, vor Image. Quelle · Wirtschaftsjunioren (WJD) 2023

Im Kern: Geld ist kein Tabu, sondern Top-Priorität. Wer das Gehalt in der Stellen­anzeige versteckt, verliert Bewerber*innen in den ersten Sekunden — bevor der Sinn überhaupt zur Sprache kommt.

Auszubildende wollen als Menschen ernst genommen werden — nicht als Personalnummer.

Verstanden­werden schafft Vertrauen.

Geld macht ein Angebot attraktiv. Verstanden­werden macht ein Unternehmen anschlussfähig. Neben Verdienst und Übernahme­chance zählt deshalb, ob junge Menschen den Eindruck haben: Dieses Unternehmen sieht mich – und nimmt mich ernst.

Lob schlägt Fachwissen.

Bei Führungs­kräften ist Auszubildenden Lob und Wertschätzung sowie Offenheit für Veränderungen wichtiger als fachliche Expertise.

Was Chefs glauben, sei zentral Fachliche Expertise · „Ich kann's am besten."
Was Auszubildende priorisieren Lob, Wertschätzung, Veränderungs­bereitschaft.

Im Kern: Für viele wiegt Lob schwerer als das Fachwissen des Chefs. Trimmen Sie Führungs­kräfte auf Beziehungs­fähigkeit, nicht nur auf technische Exzellenz — sonst gewinnt der freundlichere Wettbewerber.

Eine zeitgemäße Ausstattung ist für viele bereits ein Entscheidungs­kriterium.

IT-Ausstattung entscheidet mit.

Die Verfügbarkeit moderner IT-Technik ist für über die Hälfte der Bewerber*innen ein wichtiger Faktor. Eine alte Bürotechnik signalisiert: „Hier interessiert man sich nicht für die Welt, in der ich aufgewachsen bin."

Quelle · Azubi-Recruiting Trends 2025
KI & Lernkonzepte.

Rund 35 % der Befragten legen Wert auf eine moderne Ausrichtung des Ausbildungs­konzepts, die auch Künstliche Intelligenz einbezieht. Auszubildende bevorzugen heute partizipative Ansätze und Team-Projekte gegenüber reinem Frontal­unterricht.

35 %
Erwartung an Lernkonzept der Generation Z wünschen sich Ausbildungs­konzepte, die KI sinnvoll einbeziehen — Tendenz steigend. Quelle · Wirtschaftsjunioren (WJD) 2023

Im Kern: Alte Bürotechnik ist eine Botschaft. Sie sagt: „Deine digitale Welt kommt hier nicht vor." Wer das sendet, sortiert sich bei vielen jungen Menschen selbst aus.

In einer durch soziale Medien geprägten Welt erwarten Auszubildende regelmäßiges Feedback.

Nur ein Viertel bekommt es.

Derzeit erhält jedoch nur rund ein Viertel der Auszubildenden regelmäßige Rückmeldungen von ihren Ausbildern — was ein häufiger Grund für Unzufriedenheit und Vertrags­auflösungen ist. Ein fehlender Austausch wird oft als mangelndes Interesse an der eigenen Person interpretiert.

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Realität im Unternehmen der Auszubildenden erhält regelmäßige Rückmeldungen. Die anderen drei Viertel rätseln, wie sie eigentlich dastehen. Quelle · Azubi-Recruiting Trends 2025

Im Kern: Fehlendes Feedback wird als fehlendes Interesse gelesen. Drei von vier Auszubildenden raten, wie sie dastehen — und ein Teil kündigt innerlich, bevor es jemand merkt.

Wer drei Wochen lang nichts zurück­schickt, ist aus dem Rennen.

Mobil. Ohne Anschreiben. Ohne Registrierung.

Auszubildende erwarten einen unkomplizierten, digitalen Bewerbungsweg. Für 49 % ist die Einfachheit der Bewerbung (z. B. ohne klassisches Anschreiben oder Registrierung) ein entscheidender Aspekt. Unternehmen, die keine mobile Bewerbung per Smartphone ermöglichen oder sich beim „Ghosting" (keine Rückmeldung auf Bewerbungen) beteiligen, verlieren massiv an Attraktivität.

Quelle · Azubi-Recruiting Trends 2025

Im Kern: Jede Hürde im Bewerbungsprozess ist ein Absprungmoment. Wer 2026 noch komplizierte Portale oder „Ghosting" betreibt, zerstört sein Arbeitgeber-Image innerhalb von drei Wochen — messbar, nicht gefühlt.

Sicherheit ist kein Spießerthema. Sie ist Bewerbungs­kriterium.

Work-Life-Balance.

Dieser Aspekt ist für 68 % der jungen Menschen bei der Berufswahl von hoher Relevanz. Interessanter­weise sehen viele Auszubildende hierbei Vorteile in einer dualen Ausbildung gegenüber einem Studium.

Quelle · Wirtschaftsjunioren (WJD) 2023
Übernahme­perspektive.

Sicherheit ist ein zentrales Motiv: 68 % der Auszubildenden achten bei der Bewerbung auf eine klare Übernahme­perspektive nach dem Abschluss.

Quelle · Wirtschaftsjunioren (WJD) 2023
Mitbestimmung.

Ein vorhandener Betriebsrat oder eine Jugend­vertretung steigert für über die Hälfte der Jugendlichen die Attraktivität eines Unternehmens.

Quelle · Azubi-Recruiting Trends 2025

Im Kern: Sicherheit ist kein Spießerthema, sondern ein Vertrauenssignal. Übernahme­perspektive, Work-Life-Balance und Mitbestimmung zeigen jungen Menschen: Hier werde ich nicht nur gebraucht, sondern ernst genommen – mit meinem Leben, meiner Zukunft und meiner Stimme.

Zusammenfassend

Finanzielle Sicherheit + wertschätzende, feedback­orientierte, digital moderne Arbeits­kultur.

Auszubildende heute suchen ein Umfeld, das diese drei Dinge verbindet. Wer eines davon weglässt, fällt aus der Auswahl.

01

Vergütung sichtbar machen — schon in der Stellen­anzeige.

Wer Gehalt verschämt am Ende erwähnt, verliert die ersten 78 % der Aufmerksamkeit.

02

Führungskräfte in Beziehung und Entwicklung stärken.

Lob und Veränderungs­offenheit schlagen Fachwissen — auch wenn das für viele Meister ungewohnt klingt.

03

Mobile Bewerbung & verbindliche Rückmeldung.

Ghosting ist ein Image-Killer. Antworten Sie verbindlich — idealerweise binnen 48 Stunden.

04

Feedbackrhythmus einführen — wöchentlich, 5 Minuten.

Drei Viertel der Auszubildenden bekommen nichts. Wer das ändert, hat einen sofortigen Vorsprung.

Die eigentliche Frage

Die Frage ist nicht, ob junge Menschen hohe Erwartungen haben. Die Frage ist, ob Ihr System darauf vorbereitet ist.

Vergütung, Führung, Feedback, Sicherheit und Entwicklungs­möglichkeiten wirken nicht isoliert. Sie entstehen aus den Strukturen Ihres Unternehmens.

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